Meldungen aus dem Bezirksverband Oberpfalz

Corona überschattet auch in diesem Jahr den Volkstrauertag

Volkstrauertag in der Oberpfalz im Zeichen der Überfälle auf die Balkanländer und die Sowjetunion vor 80 Jahren

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (links) und Oberst Klaus-Peter Berger bei der Kranzniederlegung am Ehrenmal im Regensburger Stadtpark „Unter den Linden“. Dr. Dario Vidojković/Volksbund

Erneut steht der Volkstrauertag im Zeichen von Corona. Doch anders als im letzten Jahr fanden weithin in der Oberpfalz Veranstaltungen zum Volkstrauertag statt, wenn auch örtlich die Veranstaltungen in „abgespeckter Version“ nur in einem kleinen Teilnehmerkreis begangen wurden. Die Corona-Pandemie hat, wie alles andere auch in diesem Ausnahme-Jahr, auch den Volkstrauertag beeinflusst. Das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt jedoch sollte trotz Corona wachgehalten werden. Denn der diesjährige Volkstrauertag steht unter einem besonderen Zeichen: In diesem Jahr jährten sich die Überfälle Hitler-Deutschlands auf die Balkanländer Jugoslawien und Griechenland am 6. April 1941 sowie auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 zum nun 80. Mal. Die Feldzüge auf dem Balkan und im Osten Europas wurden mit beispielloser Gewalt geführt, es war ein Vernichtungs- und Ausbeutungskrieg, der etwa in Jugoslawien an die 1.7 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Die Verluste des „Unternehmens Barbarossa“, wie der Feldzug gegen die Sowjetunion in die Geschichte einging, forderte noch weit viel mehr Menschenleben. Schätzungen von Historikern zufolge kamen auf sowjetischer Seite an die 30 Millionen Menschen ums Leben. Auf deutscher Seite fielen an die drei Millionen Soldaten an der Ostfront, nicht gerechnet die unzähligen zivilen Opfer bei dem Vormarsch der Roten Armee auf deutschem Territorium ab 1945 bis hin zur Schlacht um Berlin.

Anders als im letzten Jahr, in dem wegen der Corona Pandemie eine zentrale Volkstrauertagsveranstaltung für die Oberpfalz abgesagt werden musste, konnte diese nun in Schwandorf abgehalten werden. Diese fand in der Fichtl-Anlage am Kriegerdenkmal statt, dazu geladen hatte der Schwandorfer Oberbürgermeister Andreas Feller. Unter den Anwesenden für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. vertreten waren der Bezirksverbandsvorsitzende und Regierungspräsident Axel Bartelt sowie der Schwandorfer Landrat und Kreisvorsitzende Thomas Ebeling. Als weitere Gäste zugegen waren die Bürgermeisterinnen MdB Martina Englhardt-Kopf und Marion Juniec-Möller sowie Stadträte und Abordnungen verschiedener Vereine, wie die Freiwillige Feuerwehr Schwandorf, die Krieger- und Soldatenkameradschaft Schwandorf und der Schützengau Schwandorf. Man gedenke in Ehrfurcht der Opfer von Krieg und Gewalt, so OB Feller in seiner Ansprache, welche die Opfer „sinnloser Machtkämpfe und Kriege“ wurden. Es sollen auch alle die Menschen, die „wegen ihrer Überzeugung, ihres Glaubens oder Herkunft verfolgt und getötet wurden“ nicht vergessen werden, ebenso wenig wie „Opfer von Unrecht, Hass und Fanatismus“. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erinnere am Volkstrauertag an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, so Regierungspräsident Bartelt. Zugleich lade der Volkstrauertag dazu ein innezuhalten, um der Opfer auf allen Seiten zu gedenken, „Fragen Raum zu geben, mit Bedacht Antworten zu entwickeln“, um somit gemeinsam eine friedliche Zukunft gestalten zu können, sagte Regierungspräsident Bartelt. So ist der Volkstrauertag auch für Dekan Hans Amann nicht nur ein Tag des Trauerns, sondern auch des Erinnerns. Er drückte die Hoffnung aus, dass Kinder, wie dasjenige, das er kurz zuvor erst getauft hatte, in Frieden und fröhlich aufwachsen mögen.

Auch in Regensburg ist der Volkstrauertag begangen worden, dieses Mal jedoch in gewohnter Weise und unter Einhaltung der Corona-Regeln. Neben einer Ehrenabordnung der Bundeswehr nahmen daran auch Abordnungen der Feuerwehr sowie der Landsmannschaften teil. Daneben haben sich auch Vertreter des ZAW in Regensburg, darunter Hauptmann Andreas Grimminger, Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr sowie eine Fahnenabordnung der Vereine der Stadt eingefunden. Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vertreten waren der Regensburger Kreisvorsitzende Dr. med. Theophil Schindler sowie der Bezirksgeschäftsführer Dr. Dario Vidojković. Das Sinfonische Blasorchester Regensburg sowie der Männerchor der Regensburger Domspatzen begleiteten die Gedenkstunde beim Ehrenmal im Stadtpark „Unter den Linden“ musikalisch. Gekommen waren über hundert Regensburger Bürger. Als erste Rednerin sprach Julia Hauser, Schülerin der Niedermünster Schule. An die Anwesenden gewandt, bemerkte Hauser zunächst, dass für ihre Generation der Volkstrauertag „erstmal etwas Unbekanntes“ sei. Deshalb sei sie „dankbar, sich mit den Themen Krieg, Trauer, Verantwortung auseinanderzusetzen und dazu Gedanken zum Ausdruck bringen zu dürfen“. Im Grunde seien diese Themen „noch viel mehr Thema meiner Generation, als uns bewusst ist“, sagte Hauser. Sie erklärte eindringlich, dass ihr Kriege und Gewalt Angst machten, und sie stellte die Frage, woher der wieder zunehmend zu beobachtende Hass komme. „Das passiert, weil wir nicht miteinander reden, sondern übereinander. Uns interessiert nicht unser Gegenüber, wir lästern“, so die junge Schülerin.

Anschließend erinnerte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer an die vielen Millionen Flüchtlinge weltweit in der gegenwärtigen Zeit, die aus verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen mussten, darunter auch vor Krieg und Gewalt flüchteten. Es sei dies damit auch ein aktuelles Thema. Ebenfalls erinnerte Maltz-Schwarzfischer an den Holocaust und die Ermordung von sechs Millionen europäischer Juden. Diese seien ebenso das Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gewesen wie die unzähligen Millionen von Menschen in Jugoslawien, Griechenland und der Sowjetunion, die durch die Nationalsozialisten vor über 80 Jahren mit Krieg überzogen wurden. Nach ihrer Ansprache gedachte Maltz-Schwarzfischer gemeinsam mit dem Standortältesten für Regensburg Oberst Klaus-Peter Berger mit einer gemeinsamen Kranzniederlegung der Kriegstoten.

Neben den deutschen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges ruhen auf der Kriegsgräberstätte Oberer Katholischer Friedhof II auch einige Commonwealth-Soldaten, ebenso wie Kriegsgefangene aus Jugoslawien, die als Zwangsarbeiter bei den Luftangriffen auf die Stadt ums Leben kamen, sowie mehrere hundert zivile Bombenopfer. Der verheerendste Luftangriff auf Regensburg fand am 17. August 1943 statt, wo etwa 400 Menschen den Tod fanden.

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