Meldungen aus dem Bezirksverband Oberpfalz
Meldungen aus dem Bezirksverband Oberpfalz

„Ich bin ganz im Glück.“ – Abschied von einem Zeitzeugen

Bezirksverband Oberpfalz erinnert an Domprälat i.R. Josef Grabmaier

Domprälat i.R. Josef Grabmaier erlebte als Jugendlicher die Schrecken des Krieges hautnah. 98-jährig starb der langjährige Beirat des BV Oberpfalz am 8. Dezember. Unser Bild zeigt ihn beim Gedenken am 8. Mai 2021 auf dem Oberen Katholischen Friedhof II in Regensburg. Volksbund

Das langjährige Mitglied im Beirat des Bezirksverbandes Oberpfalz im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Domprälat i. R. Josef Grabmeier, ist am 8. Dezember 2025 im Alter von 98 Jahren verstorben. 73 Jahre seines Lebens war Grabmeier Priester und damit der dienstälteste Priester der Regensburger Diözese, wie es in dem Schreiben des Bistums Regensburg anlässlich des Ablebens des Domprälaten Grabmeier heißt.

Josef Grabmeier wurde am 23. Juli 1927 in Höfen in der Pfarrei Teisbach (Landkreis Dingolfing-Landau/Niederbayern) geboren. 1938 trat er in das Bischöfliche Studienseminar Straubing ein. 1943, als damals erst sechzehnjähriger Bub, wurde er in den Kriegsdienst eingezogen. Grabmeier erlebte die Zeit der Luftangriffe auf Regensburg im Jahr 1943, wo er als Flakhelfer bei der Luftverteidigung der Stadt eingesetzt war. Als gefragter Zeitzeuge sprach er auf dem Staatsempfang in München am 16. Dezember 2019, anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung des Volksbundes, und auch beim Gedenken an das 76. Kriegsende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 2021, auf der Kriegsgräberstätte des Volksbundes auf dem Oberen Katholischen Friedhof II in Regensburg.

Wie er das Kriegsende 1945 damals erlebte, hat er bei dieser Gelegenheit in nachdenklichen Worten geschildert, die es hier nochmals verdienen wiedergegeben zu werden: „Die Erfahrungen und das Ende des Zweiten Weltkrieges haben uns allen und auch den folgenden Generationen einen Stempel aufgedrückt. Die den Krieg erlebt haben, wenn auch nur in den letzten Monaten, sehen das Leben mit anderen Augen und sehen eine Verpflichtung dies nie mehr zu vergessen und in die weitere Zukunft hinein weiterzugeben. Der 8. Mai 1945 muss immer wieder ein neues Erwachen bringen, kein Vergessen und ‚kein Ende für die gewonnenen Erfahrungen‘.
 

Als "Pimpf" an die vor dem Aus stehende Front

Mit knapp 18 Jahren, noch irgendwie ein ‚Pimpf‘, wurde ich im April 1945, von der Ausbildung als Unteroffizier in Grafenwöhr weg, an die schon am Aus stehende Westfront, hilflos, jedoch wohl ausgerüstet mit Sturmgewehr und Panzerfaust, geworfen. Die anrückenden amerikanischen Panzerkolonnen bereiteten jedem Widerstand ein Ende, lichteten unsere Reihen von einem Tag auf den anderen und impften uns einen unfassbaren Schrecken ein. Mit ein paar älteren Kameraden setzte ich mich ab, etwas anderes blieb nicht übrig. Wir kamen in Bad Kreuznach in eine, auch auf Grund der überall herrschenden Not, ‚leidvolle‘ Kriegsgefangenschaft, hungerten, schliefen, ‚zusammengepfercht‘ unter freiem Himmel auf dem Erdboden und erwarteten das Ende dieses schrecklichen Unheils. Und da kam am 8. Mai das Gerücht auf: ‚Der Krieg ist zu Ende‘. Hoffnung erwachte und verflog gleich wieder. Was soll aus uns werden? Was soll aus Deutschland werden? Mir ging es durch den Kopf: Werden die Menschen erwachen, werden sie wach bleiben, jedem Krieg absagen, Mitmenschlichkeit über alle Grenzen hinweg hochhalten und pflegen und so im Frieden ‚ohne Ende‘ leben?“

Eindrückliche Worte, aus denen deutlich der Wunsch nach Frieden durchklingen. Entsprechend hat Josef Grabmeier auch die Friedensarbeit und die Völkerverständigung des Volksbundes unterstützt: Seit dem 1. Dezember 1999, also seit genau 26 Jahren, war er Mitglied beim Volksbund.

Nach dem Krieg führte ihn, der kriegsbedingt erst 1947 das Abitur ablegen konnte und im Jahr 1952 in Regensburg zum Priester geweiht wurde, der Weg über viele Stationen seiner kirchlichen Laufbahn wieder zurück nach Regensburg, wo er 1977 zum Domkapitular gewählt wurde. Nachdem er 1997 in den Ruhestand trat, war Josef Grabmeier viele Jahre lang Mitglied im Beirat des Bezirksverbandes Oberpfalz im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., dem er bis zu seinem Tod stets verbunden blieb. Daneben übernahm er u. a. die Aufgabe des Vizepräses der Marianischen Männer-Congregation Regensburg, er war nebenamtlicher Militärseelsorger am Standort Bogen/Feldkirchen (Niederbayern) und Geistlicher Beirat der Berufsgenossenschaft der Pfarrhausfrauen. Von 1997 bis 2017 hat er die Schriftleitung des monatlichen Directorium Spirituale betreut.

Ein frohes Gemüt voller Gottvertrauen

Wann immer es ihm möglich war, stattete er der Bezirksgeschäftsstelle des Volksbundes in Regensburg gerne einen Besuch ab. In letzter Zeit erfolgten seine Meldungen dann gesundheitlich bedingt auf telefonischem Wege. Domprälat Grabmeier, der sich immer ein frohes Gemüt bewahrt hat und voller Gottvertrauen und Optimismus gelebt und gewirkt hat, sagte denn auch einen Tag vor seinem Tod: „Ich bin ganz im Glück“.

Der Bezirksverband Oberpfalz im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. betrauert sehr den Verlust seines langjährigen Beirates und eines der letzten Zeitzeugen und Teilnehmer des Zweiten Weltkrieges. Seine Friedensbotschaft und seine mahnenden Worte sollen nicht vergessen werden. Wir danken von Herzen für seinen Einsatz und sein unermüdliches Engagement für die Sache der fünf Kreuze und wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. 

Text: Dr. Dario Vidojković